Wir haben es satt – und handeln!  

ZukunftsMacher VIPs: Zur Zukunft der Ernährung – nach unserem Zoom-Meeting 

von Elita Wiegand

Sind Lebensmittel lediglich Sattmacher, Produkte, die wir verschlingen, weil wir Hunger verspüren? Kaufen wir billiges Gemüse, Fleisch oder Obst, um unseren Geldbeutel zu schonen? Oder machen wir uns Gedanken darüber, wo die Lebensmittel herkommen und wie sie hergestellt werden? Das war das Thema unseres ZukunftsMacher VIPs Zoom-Meetings mit Dorle Gothe, Regionalwert AG Rheinland. 

Die Zukunft der Ernährung: Was ist uns wichtig?

Die Antworten der Gäste bei unserem ZukunftsMacher VIPs Meeting zur Zukunft der Ernährung sind eindeutig: Lebensmittel werden regional angebaut, fördern die Gesundheit, sind nachhaltig und saisonal, Öko ohne Pestizide und bezahlbar für alle.

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Die Regionalwert AG 

Die Regionalwert AG Rheinland unterstützt die ökologische Landwirtschaft, die Nachfolge und Existenzgründungen. ZukunftsMacherin Dorle Gothe erläutert: „Wir wissen, dass wir den ökologischen Landbau fördern und schützen müssen, um langfristig regenerativ zu arbeiten, die Artenvielfalt herzustellen und Humus aufzubauen. Doch den Bio-Landwirten fehlt Kapital, weil sie von der Hand in den Mund leben. Es herrscht ein intensiver Preiswettbewerb, bei dem die Verlierer am Ende aufgeben. Zwar wird diese Entwicklung als Problem erkannt, doch die EU hält noch immer an einem Fördermodell fest, das vorrangig Prämien auf Flächen gewährt, die an wenige Bedingungen geknüpft sind. „Für viele Bio-Landwirte sind Pacht und Land zu teuer. Vor allem muss in Strukturen investiert werden“, sagt Dorle Gothe. 

Die Transformation braucht Kapital

Im letzten Jahr hat die Regionalwert AG 2,5 Millionen Euro eingesammelt. „Wir waren überrascht und begeistert, dass so viele Menschen an uns glauben und  Bürgeraktien kaufen“, so Dorle Gothe. Nun steht die nächste Kapitalerhöhung an. Das Aktenzeichnen ist einfach, denn die Regionalwert AG handelt nicht an der Börse und ein Depot braucht man auch nicht. Seit dem 1. Dezember 2021 gehen 1.444 Bürgeraktien in das öffentliche Angebot. Die Idee der Bürgeraktie beruht auf drei Prinzipien: Partizipation, Substanz und Nachhaltigkeit. Mit finanziellen Mitteln, Herz und Verstand entsteht so eine Schubkraft, damit landwirtschaftliche Perspektiven Wirklichkeit werden. 

Netzwerk mit über 40 Bio-Betrieben 

Inzwischen hat die Regionalwert AG Rheinland ein Netzwerk von 40 Bio-Betrieben aufgebaut: Partner des Handels und der Gastronomie, der Erzeugung und Verarbeitung sind mit dabei. Läuft!

Doch es gibt noch viel zu tun: In den landwirtschaftlichen Betrieben werden zu 20 Prozent Obst und Gemüse produziert, doch wir importieren 80 Prozent. Damit sich mehr regionale Betriebe ansiedeln, plädiert sie dafür, dass die Flächen erweitert werden. So ist im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung statt bisher 5 Prozent das Ziel festgeschrieben, den Ökolandbau bis 2030 auf 30 Prozent auszuweiten. Auch die Einführung einer Haltungs- und Herkunftskennzeichnung ist ein richtiges Signal oder auch, dass Glyphosat bis Ende 2023 vom Markt verschwindet.

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Kunden*innen entscheiden mit

„Kunden*innen haben viel Einfluss und wir sollten nicht auf die die Politik warten“, betonte ZukunftsMacher Thomas Strobel. Auch wenn zum Beispiel Bio-Fleisch teurer sei, gleichen sich die Kosten aus, wenn man einfach weniger Braten, Steaks oder Hamburger isst und sich stattdessen ein gutes Stück Bio-Fleisch gönnt. Es gehe immer auch um die Wertigkeit von Produkten. Doch wir haben uns durch die Industrialisierung von der Landwirtschaft entfernt. “Lebensmittel dienen dem Leben und unserer Gesundheit“, sagte Helmut Scheel.  

Welche Ideen, Aktionen oder Projekte könnten die ZukunftsMacher*innen zum Thema Ernährung umsetzen?
  • Lebensmittelampeln fordern und diesbezügliche Aktivitäten – insbesondere Vorreiter – unterstützen, damit wir mehr Auskunft über die Qualität von Lebensmittel erhalten
  • Mit dem „Haus der kleinen Forscher“ Initiative Kontakt aufnehmen
  • Früh übt sich… schon in Kindergärten und Schulen aufklären 
  • Gut schmeckende und aufwandsarme Kochrezepte zugänglich machen, die mehr Menschen zum selbst Kochen einladen Ernährungsangebot in Kitas und Grundschulen in Bio/Regionalqualität forcieren. Vorbildliche Kitas/Schulen in die Medien bringen. Testimonials gewinnen…
  • Formate anbieten, bei denen sich nachhaltige Lebensmittelhersteller vorstellen (inkl. Pröbchen-Verkostung)
  • Der Ernährungsrat Düsseldorf kann noch fleißige Menschen brauchen  🙂
  • Jeder die kleinen bäuerlichen Betriebe stärken und generell regional einkaufen. Wir werden im nächsten Jahr einen Aktionstag auf einem Biobauernhof machen.
  • Fach-Beiträge in Social Media Web teilen
  • Einsteiger-Workshop für pflanzenbasierte Ernährung anbieten
  • einer Solidarischen Landwirtschaft (Solawi) beitreten
  • Ungenutzte Privatgärten und Interessierte zusammenbringen
  • alle nachhaltigen Petitionen wie zum Beispiel auf wechange.org unterzeichnen 
  • Landwirte einladen und von ihrem Alltag und den Herausforderungen erzählen lassen
  • Aktiv im Ernährungsrat oder anderen Initiativen in der eigenen Stadt mitmachen
  • Regionale Einkaufsquellen, die unsere Kriterien erfüllen, sammeln und bekannt machen, damit möglichst viele dort einkaufen
  • Alle Gemeinschaftsküchen auf bio, regional, saisonal, fair umstellen
  • Guerilla Gardening
  • Aktiv die Website Karte von morgen (https://kartevonmorgen.org) nutzen, um nachhaltige Versorger und Märkte etc. zu finden, zu bewerten und auch weitere nachhaltige „Player“ dort eintragen
  • Bei „Wir haben es satt“ mitmachen
  • Filme zeigen wie zum Beispiel „We feed the world„. Danach Diskussion anbieten
  • Aufklärungskampagnen mit ausgewählten SpezialistenDanke an Dorle Gothe für die Hintergründe zur Regionalwert AG, danke an ZukunftsMacherin Hanna Perrin für die Moderation und ein dickes Dankeschön an alle für die Inspirationen und die guten Tipps.