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Visionär Günther Schuh: Elektromobilität – läuft!

Von Elita Wiegand

Er will eine Revolution in den Innenstädten anzetteln. Das zukunftsfähige Verkehrskonzept für die Mobilität von morgen ist durchdacht. Willensstark, wie er ist, wird der Startup Professor Günther Schuh die Umsetzung vorantreiben. Die Automobilindustrie hat er mit dem Elektro-Transporter StreetScooter bereits revolutioniert, nun folgt das Stadtauto e.GO Life und der autonom fahrende Kleinbus e.GO Mover. Ist er ein Visionär oder einfach der Forscher, der seine Ideen durchdrückt? Wir treffen uns mit Prof. Günther Schuh bei der e.GO Mobile AG in Aachen.

Automobilbranche auf den Kopf gestellt

Er hat sie, die charismatische Ausstrahlung, die man braucht, um andere in den Bann zu ziehen, mitzureißen und zu überzeugen. Günther Schuh ist Professor für Produktionstechnik an der renommierten RWTH Aachen. Doch wie verrückt muss man sein, um die Automobilbranche auf den Kopf zu stellen? „Das ist nicht spektakulär. Wir Forscher hassen es, wenn unsere Ergebnisse in der der Schublade verschwinden und nichts passiert“, betont er. Schuh war nie Autobauer, sondern jemand, der seit 20 Jahren die Industrie als Forscher berät, ein Brancheninsider, der bewiesen hat, dass es mit heutiger Technologie möglich ist, ein bezahlbares Elektroauto zu bauen.

Jugend forscht?

Eigentlich wollte er für den StreetScooter lediglich ein Konzept samt Produktkalkulation vorzeigen und bot das Gesamtpaket den Autofirmen an. „Die haben nur müde gelächelt, abgewunken und behandelten mich wie jemanden von „Jugend forscht“, schmunzelt der 60-jährige. Der Funken Selbstironie schwappt über, der Humor eines Rheinländers, in Köln geboren und eigentlich ist es überflüssig, aber es sagt es trotzdem: „Ich bin ein humorvoller Mensch.“ Günther Schuh sammelt ein „paar Milliönchen“ ein, um den Prototypen zu realisieren und stellte 2011 zusammen mit seinem Partner Achim Kampke den Elektro-Transporter auf der IAA aus.  Der StreetScooter kam gut an, die Post kaufte erst die Fahrzeuge, dann 2014 das ganze Unternehmen mit allen Mitarbeitern und vertreibt heute erfolgreich selbst den Scooter.

Eine Start-up Geschichte aus dem Bilderbuch mit Happy-End, aber die Fortsetzung ist ebenso spannend.

Der nächste Clou aus Aachen heißt e.Go Life, ein smartes Elektroauto, klein, leicht und günstig. Im Herbst kommt es auf den Markt, ist heiß begehrt. Inzwischen sind bereits mehr als 3000 Vorbestellungen eingegangen,  weil das Auto nur 11.900 Euro (nach Abzug der E-Prämie) kostet.

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Success-Story-eGO-Titelbild-1030x343 Visionär Günther Schuh: Elektromobilität - läuft!

Foto: e.Go Mobile AG

In der Halle steht bereits der autonom fahrende Kleinbus e.GO Mover, der die Autonomie-Stufe 4 erreicht. Ab Sommer nächsten Jahres sind die Pilotfahrzeuge auf Teststrecken unterwegs. Der universell ausbau- und einsetzbare Kleinbus kann sowohl für den Personennahverkehr als auch für private und gewerbliche Transportaufgaben ausgerüstet werden.

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Demonstrationslabor für Mobilität

Die Anerkennung bleibt von den etablierten Herstellern nicht aus. „Die Vorstände sind alle schon hier gewesen,“ sagt Prof.Schuh. Höchste Form des Lobes: „Wir als Etablierte kommen da vorerst nicht hin.“

Statt in Wolfsburg oder Stuttgart wird sich demnächst ein Demonstrationslabor der Mobilität von morgen in Aachen etablieren. Die Initiative „Erlebniswelt Mobilität“ wurde gerade gegründet, ein Konsortium von bislang sieben Partner, die an zukunftsfähigen Konzepten arbeiten und im öffentlichen Raum erproben wollen.

Radikal ändern: Verkehr in der Innenstadt

Dazu gehört die Revolution, „radikal muss es sein“, sagt er, „denn wir müssen den Verkehrsinfarkt in den Städten reduzieren, müssen eine Stadt emissions- und staubfrei machen.” Diesel und Benziner bleiben draußen, dafür fährt man elektrisch oder einen Plug-in-hybrid, wenn die Strecke über die Stadtgrenze hinausgeht. Und den Verkehr will er bündeln. „An Park & Ride Stationen entsteht ein Shuttleservice und Fahrgäste werden an das Ziel gefahren. Das wäre für die Menschen viel angenehmer, würde den Verkehrsinfarkt mindern und es wäre vor allem emissionsfrei“, so Schuh. Er will sich auf den Kern konzentrieren und beklagt, dass die Politik undifferenziert sei und keine Richtung vorgebe.

Bewegter Professor

Der rheinische Professor ist ein bewegter Mann: Als Hobbypilot steigt er in das Kleinflugzeug Cirrus SR 22 Turbo, ist Bootsfahrer und er liebt seinen Porsche Panamera Plug-in-Hybrid. „Früher fand ich auch die satten Porsche Motorengeräusche schön, heute geht es fast geräuschlos – und das ist ein Traum!“ Es ist das verschmitzte Lächeln, eines Unternehmers, der jung bleibt, ein Jungunternehmer eben!