Über Geld spricht man nicht – von wegen!  

von Elita Wiegand

Zoom-Meeting ZukunftsMacher VIPs: „Das Dagobert Duck-Dilemma: Welchen Wert hat Geld?“ 

Impulsgeber Dirk Kannacher, Vorstand der GLS Bank am 21. Januar 2022 

Über Geld spricht man nicht. Daran halten sich viele. Wie viel Geld man verdient bleibt manchmal sogar unter Ehepartnern ein Geheimnis, aber auch über Geldsorgen, einer Insolvenz oder Kredite redet man nicht. Nirgendwo sonst auf der Welt wird so wenig über Geld gesprochen wie in Deutschland. Das haben wir geändert.

Doch was bedeutet uns eigentlich Geld? Die Gäste unseres Zoom-Meetings haben dazu ihre Gedanken aufgeschrieben.

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Nach der Finanzkrise: Das Ende und der Neubeginn

Unser Impulsgeber Dirk Kannacher, Vorstand der GLS Bank hat seine Einstellung zu Geld in den letzten Jahren komplett verändert. Früher arbeitete der Banker bei der Commerzbank als Abteilungsleiter. „Das war eine Zeit, die mich geprägt hat“, erzählt er. Er hatte zwei Schlüsselerlebnisse: Die Dotcom-Blase im Jahre 2000. Sie wurde durch neue technologische Entwicklungen entfacht, entwickelte sich über hohe Gewinnerwartungen wie auch Spekulationen auf hohe Aktionenkurse – die New Economy implodierte. Doch davon war Dirk Kannacher nicht direkt betroffen.

Ihn traf die Weltfinanzkrise 2008. Mit dem Zusammenbruch der Investmentbank „Lehman Brothers“ am 15. September 2008 erreichte die Finanzkrise ihren Höhepunkt und er fühlte sich verantwortlich, reklamierte, dass man so nicht weiter machen könne, sorgte sich um die Kunden, die viel Geld verloren hatten. Doch im Hause galt die Klausel: „Hör auf Dich mit dem Schicksal der Menschen zu beschäftigen, wir müssen an unsere Stakeholder denken.“

Dirk Kannacher wollte raus, abschalten, nachdenken. Er machte Urlaub auf einem Bio-Bauernhof, unterhielt sich mit dem Landwirt und er erzählte ihm, dass es seinen Bio-Hof nur deshalb gibt, weil es die GLS Bank gibt. Kein Zufall. Seit 2010 ist die GLS-Bank Kannachers Arbeitgeber.

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#share dich drum! Dirk Kannacher lebt nach diesem Leitsatz. „Lass uns versuchen, die Welt ein wenig besser zu verlassen, als wir sie vorgefunden haben“

Sinn steht stets vor dem Gewinn

Im Leitbild der GLS Bank ist verankert, dass der Sinn stets vor dem Gewinn steht. Seitdem habe sich sein Leben verändert, weil er anders darauf schaue, wie er sein Geld investiere und er stellt sich Fragen: „Wie geht es dem Planeten, wie geht es den Menschen, mit dem, wie ich Geld einsetze?“

„Wenn wir eine sozial-ökologische Gesellschaft gestalten wollen, hat jeder Bürger*in auch die Kraft das zu tun“, so der 50-jährige. Jeder kann dazu beitragen, den Konsum einzudämmen, nur noch das zu kaufen, was man wirklich braucht und darauf zu achten, dass zum Beispiel Kleidung fair und ökologisch produziert wird. „Somit beeinflusse ich mit meiner Kaufentscheidung auch die Qualität der Produkte und nehme Einfluss auf die Herstellung“, sagte der ZukunftsMacher.

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Dirk Kannacher verzichtet auf den Dienstwagen. Er fährt regelmäßig mit dem Fahrrad oder der Bahn – und er engagiert sich für die Mobilitätswende

Nachhaltigkeit wird in jeder Branche das neue Normal

Die Klimakrise setzt Zeichen für ein Umdenken. Der European Green Deal hat 2019 ein Konzept vorgestellt, bis 2050 in der Europäischen Union die Netto-Emissionen von Treibhausgasen auf null zu reduzieren und somit als erster Kontinent klimaneutral zu werden. „Damit ist der gesetzliche Rahmen geschaffen, um Investitionen anders zu lenken, damit die Kapitalströme in die sozial-ökologische Wirtschaft fließen“, betont Kannacher. Er ist davon überzeugt, dass Nachhaltigkeit in jeder Branche das neue „Normal“ sein wird. „Die Unternehmen, die sich für das Wohl der Menschen und unseren Planeten einsetzen, werden überleben. Andere müssen ihr Businessmodell auf den Kopf stellen und es nachhaltig verändern, sonst zählen sie zu den Verlierern“, sagt er.

Wie die Transformation und die Klimakrise finanzieren?

Wenn wir eins haben, dann ist das Geld. Die zehn Dagoberts in Deutschland konnten ihr Vermögen während der Pandemie verdoppeln. Das geht aus einem Bericht der Entwicklungshilfeorganisation Oxfam hervor. Das Vermögen stieg von 125 Milliarden Euro auf 223 Milliarden mit einem Zuwachs von 78 Prozent, heißt es in dem Bericht. Der Gewinn entspricht dem Gesamtvermögen der ärmsten Menschen In Deutschland. Wenn dieses Geld vernünftig angelegt und in andere Bahnen gelenkt würde, könnten wir die Welt sehr schnell retten.  Dass die Schere zwischen Arm und Reich durch die Pandemie noch weiter auseinanderklafft, zeigt sich auch darin, dass seit April 2020 mehr 115.000 Freiberufler und Selbstständige Grundsicherung beantragt haben. Wäre das Bedingungslose Grundeinkommen langfristig die Lösung?

„Das BGE würde für eine größere Gerechtigkeit sorgen, aber wir brauchen weltweit einen anderen Blick auf Geld.“ Neben der Umverteilung fordert die GLS  seit langem, dass die Vermögen stärker besteuert werden – und wir brauchen transparente Lieferketten, damit die Produzenten von dem, was sie herstellen auch leben können.

Was soll Dein Geld bewirken? Wie gibst Du dem Geld einen Sinn?

ZukunftsMacher Dirk Kannacher unternahm im Jahr 2016 eine Reise nach Kenia. Dort hatte er die Gelegenheit, Menschen, Land und deren Lebensweise kennenzulernen. Während seines Aufenthaltes besuchte er Schulen und Kindergärten, eine Frauengruppe, die AIDS-Waisen aufnimmt und auch ein Gefängnis. Die dort gemachten Erfahrungen haben ihn zutiefst beeindruckt und in ihm den Wunsch entfacht, tätig zu werden. So entstand das Projekt „Wir werden initiativ – Schulbau in Selenkay, Kenia“.

Hier die Antworten der Gäste des Zoom-Meetings: padlet-Dagobert-Dilemma  Über Geld spricht man nicht - von wegen!

Danke an Dirk Kannacher für die nachdenklichen Hintergründe, danke an alle, die dabei waren. Und ein Dankeschön geht an ZukunftsMacherin Silke Hohmuth für die Co-Moderation.