Nebelschütz: Freiräume für Bürger – gemeinsam die Zukunft gestalten

Herzlich, ökologisch und enkeltauglich

Wenn der Begriff authentisch auf jemanden zutrifft, dann auf ihn: Er ist überzeugt, von dem, was er tut, vertritt Werte, ist offen und neugierig und schwärmt von seinem Dorf. Dazu hat er allen Grund, denn Bürgermeister Thomas Zschornak hat Nebelschütz komplett umgekrempelt, setzt auf Ökologie und Nachhaltigkeit und hat der Gemeinde in der Oberlausitz ein Gesicht gegeben. Es sind die Attribute herzlich, ökologisch und enkeltauglich, die den Wandel kennzeichnen. Es war keine leichte Aufgabe, denn Nebelschütz war früher ein graues und gesichtsloses Dorf. Nach dem Mauerfall verließen viele junge Menschen die Gemeinde, die Arbeitslosigkeit erhöhte sich auf über 20 Prozent.

Thomas-Zschornak Nebelschütz: Freiräume für Bürger - gemeinsam die Zukunft gestalten

Thomas Zschornak, Bürgermeister von Nebelschütz

Thomas Zschornak war 26 Jahre alt, als er das Amt des Bürgermeisters übernahm und er hatte eine Vision, weil er ein ZukunftsMacher ist, der anpackt, Ideen realisiert und die Bürger mitnimmt. Aber wie? „Damals hatte ich keine Ahnung, wie wir die Bürger in Prozesse einbeziehen“, erzählt Thomas Zschornak. Was er jedoch spürte war, dass die Nebelschützer oft über Entscheidungen unzufrieden waren, maulten und es sich anders vorgestellt hatten.

Nebelschuetz-Wegweiser Nebelschütz: Freiräume für Bürger - gemeinsam die Zukunft gestalten

Nebelschütz – eine Gemeinde in der Oberlausitz

Macht abgeben, Vertrauen schaffen

Um das Wir-Gefühl zu stärken, hat er Macht abgegeben und ist den Bürgern auf Augenhöhe begegnet. „Ich musste Verantwortung delegieren und die Prozesse gestalteten sich mit den Bürger*innen, so Zschornak. So entstanden über Mitsprache der Bürger*innen zukunftsweisende Projekte wie zum Beispiel ein 15 Hektar großes soziokulturelles Zentrum. In dem ehemaligen Steinbruch stehen Bildhauerworkshops und Wissenswertes über Permakultur auf dem Programm – und es ist ein Gemeinschaftsgarten entstanden. Das lokal produzierte Obst und Gemüse aus ökologischem Anbau finden sie im Dorfladen wieder und wird hier angeboten.

Inzwischen können sich die sind Bewohner*innen bei allen Projekten aktiv einbringen: Das reicht von Dorfentwicklungsplänen bis zur Bewirtschaftung des Lebensmittelmarktes im Dorf. Wenn Infrastrukturmaßnahmen wie zum Beispiel ein Kinderspielplatz geplant sind, werden Kinder und Eltern zu Zukunftswerkstätten eingeladen, um mitzugestalten. „Der Prozess geschieht gemeinsam – und letztlich bestimmt das Dorf. Es ist wichtig zu erfahren, was die Bürger wollen, denn nur so sind sie zufrieden und identifizieren sich mit Nebelschütz“, sagt der 53-jährige. Zschornak gehört dem westslawischen Volk der Sorben an. Und er engagiert sich auch dafür, das Kultur und Sprache nicht aussterben.

Nebelschuetz-Kinder Nebelschütz: Freiräume für Bürger - gemeinsam die Zukunft gestalten

Dorfladen Nebelschütz: Freiräume für Bürger - gemeinsam die Zukunft gestalten

Verbesserung der Lebensqualität durch ein Ökokonto

Besonders stolz aber ist der Bürgermeister auf das Ökokonto. Das Verfahren existiert seit 2013 und damit wird eine nachhaltige Landschaftsentwicklung realisiert. Wer Flächen versiegelt, kann die Gemeinde mit den gesetzlich vorgeschriebenen Ausgleichsmaßnahmen beauftragen. Somit kann Nebelschütz die Flächen ökologisch aufwerten und die Lebensqualität von Menschen und Natur verbessern. „Wenn wir die Gemeinde gestalten wollen, brauchen wir Grund und Boden. Deshalb haben wir etwa 100 Hektar Ackerland, Wiese und Wald gekauft. Die Flächen verpachten wir an Öko-Landwirte“, erzählt er. Damit wurden auch Streuobstwiesen angelegt, essbare Landschaften geschaffen und das kostet den Steuerzahlern kein Geld, sondern wird direkt von der Industrie bezahlt“, berichtet der Bürgermeister. Die Erfolgsfaktoren liegen auf der Hand: Ein gut funktionierendes Netzwerk von Lokalpolitikern, Planern und der Bevölkerung machten das Ökokonto möglich.

Für die enkeltauglichen Gemeinde gehört es dazu, sich langfristig selbstständig mit Energie versorgen. Bereits jetzt werden privatwirtschaftlich mit Windkraft-, Biogas- und Photovoltaikanlagen etwa 270 Prozent der Energie des Gemeinde-Energieverbrauches erzeugt.

Bürgerbeteiligung und Mitsprache schaffen Vertrauen

Thomas Zschornak hat noch viele Ideen, das Dorf nachhaltig zu gestalten. So informiert er sich, was woanders gut gelingt, lernt von anderen Gemeinden und hat sich europaweit nachahmenswerte Beispiele angeschaut. „Ein Erfahrungsaustausch mit anderen Städten und Gemeinden ist wichtig, weil wird nicht ständig das Rad neu erfinden müssen“, betont er. Für Thomas Zschornak hat die lokale Verwaltung eine Dienstleister-Rolle, die engagierten Bürger*innen das Vertrauen gibt und hilft, selbst Projekte anzustoßen. Nebelschütz beweist, dass Bürgerbeteiligung zukunftsweisend ist. 

Video: Wirtschaft geht auch anderes | Die Gemeinde Nebelschütz

Kontakt

Gemeinde Nebelschütz

Bürgermeister Thomas Zschornak

Hauptstraße 9
01920 Nebelschütz

Website: https://nebelschuetz.de

Mail: buergermeister@nebelschuetz.de