Mauritius: Nachhaltiger Weitblick für ein Paradies

Andreas Koch berät als Geschäftsführer und Mitgründer der blueContec GmbH Hotels und er hat Tourythm gegründet, um touristische Unternehmen und Regionen auf Nachhaltigkeit auszurichten. Er startete 2021 die Initiative als Einladung an alle Tourismus-Akteure, den Neustart nach der Krise bewusst nach den Prinzipien der Nachhaltigkeit und dem Empowerment aller beteiligten Akteure zu gestalten.

Elita Wiegand führte ein Interview mit dem ZukunftsMacher Andreas Koch über Tourythm und einem nachhaltigen Projekt auf Mauritius. 

Der Tourismus ist Verursacher von Emissionen und trägt maßgeblich zum Klimawandel bei. Du hast Tourythm gegründet und leistet damit einen positiven Beitrag zum nachhaltigen Tourismus. Was verbirgt sich hinter Tourythm?

Andreas Koch: Ich bin seit 20 Jahren im nachhaltigen Tourismus tätig und finde es enttäuschend, dass viele das Thema Nachhaltigkeit immer noch als reines Konzept und nicht als Geschäftsmodell verstehen. Dabei wirkt Nachhaltigkeit in alle Bereiche hinein und kann so viele Vorteile generieren: Betriebskosten wie Energiekosten können gesenkt werden, das Thema Employer Branding kann gesteigert werden und so wird der Betrieb ein Magnet für gute Mitarbeiter, nachhaltige Lieferanten steigern die eigene Authentizität einer Region oder eines Hotels und nachhaltige Betriebe/Regionen generieren damit kostenfreies Marketing und Storytelling Inhalte. Aus meiner Erfahrung ist ein Grund dafür, dass wir statt der Menschen die eher trockenen Themen der Nachhaltigkeit (Abfall, Energie, Wasser, Lieferantenmanagement…etc.) in den Vordergrund stellen. Wenn wir jedoch das Netzwerk eines Hotels, d.h. Mitarbeiter, Lieferanten, Gäste darin empowern, gemeinsam die Zukunft zu gestalten, entsteht ein dynamischer Rhythmus, der alle ansteckt. Diese Form des Tourismus habe ich Tourythm getauft.

Beispiel Mauritius. Die Insel im Indischen Ozean ist bedroht: Touristen und ihr Müll reduzieren die Artenvielfalt, verschmutzen die Meere und zerstören das ökologische Gleichgewicht. Deshalb gibt es das Projekt „Sustainable Island Mauritius“, das von der Europäischen Union im Rahmen des Programms „Switch Africa Green“ gefördert wird und Du zusammen mit CSCP umgesetzt hast. Wie beschreibst Du das Projekt? 

Andreas Koch: Die Inselregierung von Mauritius will zum grünen Reiseziel zu werden. Unser Projekt „Sustainable Island Mauritius“ (SIM) ist besonders, weil wir die Herausforderungen der Nachhaltigkeit ganzheitlich betrachtet haben und es ein integraler Bestandteil im Tourismus sein muss. Dazu haben wir auf der Insel mit lokalen Akteuren wie Hotels, Taxifahrern, Bootsverleiher, Veranstaltern, Künstlern oder Herstellern gesprochen und Netzwerke und Kooperationen gebildet von Menschen, die normalerweise nichts miteinander zu tun haben. Es ging darum, authentische Erlebnisse für Touristen zu kreieren und nachhaltige Produkte zu entwickeln. Denn bisher ist Nachhaltigkeit oftmals nur ein Konzept und nicht in die Produktentwicklung oder andere operative Prozesse voll integriert.

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Bevor die Kooperationen entstanden sind, ist vermutlich ein Prozess vorausgegangen. Wie wurde der gestaltet?

Andreas Koch: Wir haben Workshops und Seminare mit den Akteuren veranstaltet und Fragen gestellt wie beispielsweise: Was sind die besonderen Herausforderungen auf der Insel? Wie können wir Plastikmüll vermeiden? Wie die Biodiversität erhalten oder Energie einsparen? Und wie wäre es, wenn wir das Thema Nachhaltigkeit anders denken? Um die Aktivitäten nicht nur auf den Fußabdruck zu reduzieren, lag der Fokus darauf, durch einen „Handabdruck“ neue, innovative Ansätze zu finden und Ideen zu kreieren. Es hat mich beeindruckt, zu erleben, dass eine gemeinsame Vision positive Energien freisetzt, sich Menschen beteiligt fühlen, gemeinsam anpacken und einen Sinn finden. Das ist ein Spirit, der ansteckt und vieles möglich macht.     

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Workshops mit den Akteuren

Nun ist das Thema Nachhaltigkeit umfassend und es geht auch darum, ganzheitlich zu denken, um Lösungen für die Herausforderungen zu finden. Welche Ideen sind entstanden? 

Andreas Koch: Wir sind mit Bussen über die Insel gefahren. Da haben wir einen Imker besucht und es ist die Idee entstanden, dass eine Bienentour für Touristen angeboten wird. Der Bienenzüchter kann den Gästen erklären, warum Bienen wichtig sind, wie man die sie auf der Insel schützen kann oder wie produziert wird – und der Honig kann gleichzeitig verkauft werden. Ein anderes Beispiel: Da gibt es jemanden, der biologische Kräuter und Tee anbaut. Bei einer Führung kann man den Teilnehmern Wissen über den Tee und den Heilkräutern vermitteln. Wie und wofür wendet man Heilkräuter an? Was wächst und gedeiht auf der Insel besonders gut?

Die beiden Beispiele zeigen, dass für Touristen authentische Erlebnisse rund um das Thema Nachhaltigkeit geschaffen werden, die das Bewusstsein schärfen und in Erinnerung bleiben.   

Unter dem Siegel „The Wise Dodo“ bieten inzwischen DER Touristik und deren lokale Agentur Mautourco ein nachhaltiges, in diesem Projekt entstandenes Produkt an. Dazu müssen sechs Kriterien erfüllt sein: Authentizität, der Schutz von Artenvielfalt und Korallen, Chancengleichheit, Abfallvermeidung, Ressourcenschonung sowie die Einbindung lokaler Gemeinden.

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Lokale Produzenten in den Nachhaltigkeitsprozess einbeziehen

Als Teil des SIM-Projektes habt Ihr mit über 100 vor allem kleineren touristischen Akteuren auf Mauritius zusammengearbeitet. Warum habt Ihr gerade den Fokus auf sie gelegt?    

Andreas Koch: Diese Akteure sind im Grunde genommen das Rückgrat der Tourismuslandschaft auf Mauritius und genau diese Gruppe hat es oft schwer wegen zeitlicher und personeller Ressourcen das Thema Nachhaltigkeit aktiv anzugehen. Wir haben uns hierbei besonders auf die Gruppe der rund 350 Veranstalter fokussiert, denn diese sind stark vernetzt mit vielen Akteuren wie Hotels, Boot- und Exkursionsanbietern, Restaurants, den lokalen Gemeinden, den Taxifahrern und vielen anderen. Genau für diese Gruppe haben wir einfache Tools entwickelt: Zum Beispiel wie sie sich selbst schnell im Sinne der Nachhaltigkeit bewerten können, wie sie Nachhaltigkeitsfelder aktiv angehen, wie sie neue Ideen anhand eines Kartenset entwickeln, welche Kriterien sie auswählen können um zu bewerten ob sie besser werden und wie sie die Themen bestmöglich kommunizieren. Diese sogenannte MauPHI Toolbox steht nun jedem interessierten Betrieb zur Verfügung. Zum Download: https://server.cscp.net/files/f/69fec324b29c47119e8d

Übrigens für die Besten, die dieses Tool anwenden, gibt es seit diesem Jahr den neuen Mauritius Sustainable Tourism Award, der erstmal 2022 verliehen wurde und auch in diesem Projekt entstanden ist.

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TV Interview mit Andreas Koch für die Mauritius Broadcasting Corporation ( MBC ) (Youtube: www.youtube.com/watch?v=pjZEBv2xb9M)

Durch seine geographische Lage muss Mauritius rund 70 Prozent der Lebensmittel importieren. Wie sieht das mit den Lieferketten aus, um Nachhaltigkeit zu garantieren? 

Andreas Koch: Auf der Insel werden zwar zum Beispiel Tee, Kräuter und Zuckerrohr angebaut, aber der Großteil muss importiert werden. Dabei geht es um die Frage, wo die Lebensmittel herkommen, kann man biologische, regionale Produkte importieren? Wir haben über Tools aufgezeigt, wie man die Lieferketten bewerten und wie man die verbessern kann.

Eine Veränderung hin zum nachhaltigen Tourismus erreicht man einerseits über die Akteure, aber auch die Touristen selbst können dazu beitragen. Wie spüren die Gäste, dass Mauritius eine nachhaltige Insel ist? 

Das Ziel ist, Nachhaltigkeit als Produkt erkennbar zu machen, wie zum Beispiel durch das neue „The Wise Dodo“ Produkt und anderen, die sicher folgen. Es beginnt mit der Ankunft der Touristen am Flughafen. Dort werden sie begrüßt. Die Gäste brauchen keine Papiere mehr, sondern es läuft alles digital. Dann steigt man in ein hybrides Auto ein (sofern dies bald Standard wird), hört im Wagen Musik von den lokalen Künstlern, wohnt in einem nachhaltig zertifizierten Hotel. Als Tourist kann ich jetzt auf Mauritius Produkte wählen, die nachhaltig sind. Die Gäste können authentische Erlebnisse in Form von Exkursionen buchen. Somit ist Nachhaltigkeit sichtbar und erlebbar. Die Vision unseres Projektes ist, dass wir Nachhaltigkeit aus der Nische herausholen und daraus eine Bewegung entsteht.

Fotos: Andreas Koch

Co-Creating für nachhaltige Tourismusprodukte

Kontakt

blueContec GmbH | Tourythm 
Andreas Koch
Managing Director

Seminarstr. 13
55127 Mainz 

Phone : +49 (0) 170 567 2235
Mail: a.koch@bluecontec.com
Web: www.tourythm.com
www.bluecontec.com 

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  • Kreta

Auf dem Weg zur Vorbilddestination für nachhaltige Ernährung im Urlaub

Mitarbeit (gemeinsam mit Maria Valerga und den Local Food Experts) an dem TUI Care Foundation/Futouris geförderten Projekt „Kreta – auf dem Weg zur Vorbilddestination für nachhaltige Ernährung im Urlaub“. www.futouris.org/projekte/kreta-schritt-fuer-schritt-zur-vorbilddestination-fuer-nachhaltige-ernaehrung-im-urlaub