Buchtipp

Wir können auch anders  | Aufbruch in die Welt von morgen

Maja Göpel: Sie sind Sie schon ein „Wirk“? 

von ZukunftsMacher Helmut Scheel

Wir-koennen-auch-anders-1495x630 Maja Göpel: "Sind Sie schon ein Wirk?"

Eins vorneweg: Ich finde die Nachhaltigkeitswissenschaftlerin und Politikökonomin Maja Göpel genial. Sie schafft es mit einfachen Worten komplizierte Zusammenhänge verständlich zu erklären und das zeigt sich auch wieder in ihrem aktuellen Buch „Wir können auch anderes.“ Darin entwickelt sie Gedanken, wie wir in der Gesellschaft und der Natur wirken. Deshalb fordert uns die Autorin dazu auf, Wirkung zu entfalten – ein „Wirk“ zu sein. „Wirk“ bedeutet, dass wir die Welt als ein Beziehungsgeflecht wahrnehmen und dabei merken wir, dass wir immer auf andere wirken und dadurch eine Wirklichkeit entsteht.

Mit dem Begriff differenziert die Autorin zwischen uns als Geschöpf oder dem Teil der Natur im Gesamten und sieht uns als Wirkende im Gesamtsystem der globalen Bio- und Geosphäre.

Die Grenzen des Denken 

Ein zweiter Aspekt durchzieht das Buch: Die Wissenschaftlerin Maja Göpel übernimmt von Donella Maedows aus dem Buch „Die Grenzen des Denkens“ die These, dass wir eine „Harmonie der Hierarchie“ entwickeln müssen. Das bedeutet, dass die Oberen und Mächtigen die Bedürfnisse der unteren Schicht berücksichtigen müssen und vor allem die die menschlichen Würde im Blick behalten müssen.

Komplexe Aufgaben scheitern mit einfachen Lösungen 

Göpel beginnt mit einem Experiment in Tanaland. Sie kennen Tanaland nicht? Nicht verwunderlich, denn bei dem Experiment handelt es sich um eine Computersimulation von möglichen Maßnahmen für ein fiktives Land in Afrika. Student:innen werden aufgefordert die Lage der Menschen dort zu verbessern, was anfänglich auch gelingt, jedoch danach in einer größeren Krise als zuvor mündet. Die Autorin zeigt mit diesem Beispiel, das der Psychologe Dietrich Dörner Mitte der 70iger Jahre des letzten Jahrhunderts durchgespielt hat, dass komplexe Aufgabenstellungen mit einfachen Lösungen scheitern. Ihr Fazit: Es ist erforderlich bei komplexen Fragestellungen und Herausforderungen systemisch zu denken. Diese Computersimulation untermauert Göpel mit einem realen Versuch an zwei benachbarten Seen in den USA. Dort wurde untersucht, welche Auswirkungen der Einsatz von Raubfischen hat, wenn sie in einem See ausgesetzt werden, in dem es zuvor keine Raubfische gab. Auch hier verdeutlicht Göpel, das selbst kleine Maßnahmen auf Dauer eine große und unvorhersehbare Wirkung auf das Ökosystem hat. Die Autorin betont, wie wichtig die richtigen Fragestellungen sind. Werden falsche Fragen gestellt, können nicht die richtigen Antworten resultieren. Wenn nach einer Wirkung nicht gefragt wird, hat man später für die entsprechende Auswirkung auch keine Antwort.

Kipppunkte nehmen zu

Angesichts der globalen Klimakrise spricht die Nachhaltigkeitswissenschaftlerin von Kipppunkten, die zu einer Destabilisierung unseres Systems führen. Doch bevor ein solcher Kipppunkt erreicht wird, reagiert es mit einer Art Frühwarnung. Ungewöhnliche Ereignisse wie Hitzewellen, Dürren oder Überschwemmungen nähmen zu. Jede weitere Störung des Gleichgewichts könne enorme Wirkung entfalten.

Monopoly zeigt, wie Wirtschaftswachstum funktioniert 

Das Spiel Monopoly spielt in ihrem Buch eine wichtige Rolle, denn es bietet die Möglichkeit aufzuzeigen, wie Wirtschaftswachstum funktioniert. Eine kurze Geschichte über die Erfindung des Spieles beschreibt, welche Auswirkungen einzelne Schritte zur richtigen oder falschen Zeit, von der richtigen Person an den richtigen Adressaten haben kann. Es gibt eine Vielzahl von Wirkungsweisen, die je nach Art und Weise des Zustandekommens sich sehr unterschiedlich im Verbund auswirken. Daher ist es wichtig mehr als Fakten zu lernen, sondern Wirkungsmechanismen zu thematisieren – und das bereits in Schule und Ausbildung. Nur diese Art des Lernens macht Menschen zukunftsfähig. Insgesamt geht es darum, wie Göpel es in einem Zitat von John Stuart Mill verwendet: „Wenn der Fortschritt aufhört, in welchem Zustand wird er die Menschheit zurücklassen?“

Eine Grundlinie des Werkes könnte sich an einem Ausspruch von Albert Einstein orientiert haben, nämlich: „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“ Daher sind im zweiten Teil des Buches Themen wichtig wie „Anders lernen“, „Anders wachsen“, „Andere Technik einsetzen“, „Anders organisieren“ und „Anders miteinander umgehen“.

Wer ist „man“? 

Der dritte und letzte Teil des Buches stellt die Frage: „Wer ist eigentlich wir?“ Eine berechtigte Frage. Doch wer die Frage nach dem Wir stellt, ist ja bereits einen Schritt weiter.  Die meisten sagen immer: MAN sollte, um sich selbst expliziert auszuklammern. Wer hingegen sagt: WIR sollten, ist bereit selbst mitzumachen. Die Transformationsforscherin möchte jeden und jede animieren, aktiv zu werden bei den Veränderungen die nötig sind für eine sichere Zukunft. Es geht um „Köpfe zusammenstecken“, damit eine große Anzahl an Inspiration Eingang in den Prozess findet und damit klar wird „Du bist wichtig“, wie auch das letzte Kapitel des Buches heißt.

Fotos: Ullstein Verlag 

Über Maja Göpel

Prof. Dr. Maja Göpel, geboren 1976, arbeitet seit 25 Jahren als Politökonomin und Nachhaltigkeitswissenschaftlerin an der Schnittstelle von Wissenschaft, Politik und Gesellschaft. Die gefragte Rednerin wurde 2019 zur Honorarprofessorin der Leuphana Universität Lüneburg berufen und war bis Ende 2020 Generalsekretärin des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU). Maja Göpel ist Mitglied im Club of Rome, dem World Future Council, der Balaton Group, diverser Beiräte und Aufsichtsräte und Mit-Initiatorin der Initiative »Scientists for Future«. 

Buchtipp

Wir-koennen-auch-anderes-183x300 Maja Göpel: "Sind Sie schon ein Wirk?"

Wir können auch anders | Aufbruch in die Welt von morgen
von Maja Göpel

Erschienen im Ullstein Verlag

Zu bestellen hier…

0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.