Macht mehr Fehler!

Eine produktive Fehlerkultur bietet Unternehmen den Schlüssel zum Erfolg und garantiert die Zukunftsfähigkeit

Von Elita Wiegand

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Wir machen alle ständig Fehler. Als Kleinkinder fallen wir, stehen wieder auf und laufen weiter. In der Schule läuft es schon anders: Lehrer*innen sehen rot, wenn sie etwas Falsches entdecken, sie bestrafen, tadeln und maßregeln. Es zählen fehlerfrei die besten Noten und so entsteht bereits im frühen Alter ein Konkurrenzdruck.  Und im Berufsleben? Täglich stehen wir vor dem Risiko, Fehler zu machen: Kleine und große, reversible und irreversible, produktive und destruktive. Doch Fehler und Scheitern sind in vielen Unternehmen ungern gesehen. Man schämt sich dafür, hat Angst ausgegrenzt, belächelt oder ignoriert zu werden. Zudem werden Mitarbeiter *innen vom Chef kritisiert, beschimpft oder gar mit einer Abmahnung bestraft. Das Ziel: Das Unternehmen will künftig Fehler vermeiden, zumindest aber reduzieren, die Leistungen verbessern und somit erfolgreicher zu werden. Ein Trugschluss!

Es gibt keine Innovation ohne Risiko

Wer etwas verändern oder erneuern will, muss den sicheren Boden verlassen. Das Neue ist deswegen neu, weil es dazu bisher noch wenig oder keine Erfahrungen gibt. Weil man testen und ausprobieren, Erfahrungen sammeln und daraus lernen muss. Ohne Kreativität, ohne zündende Idee und ohne mutiges Vorgehen laufen Projekte ins Leere. Oft scheitern Projekte aber auch am fehlenden Verständnis für Lösungsvorschläge und Losungsangebote, an Losungskompetenz. Durch kreatives Ausprobieren, hohe Einsatzbereitschaft und mit Durchsetzungswillen können Wege gefunden und Ziele erreicht werden.

Innovationskiller Angst

Einer der wirkungsvollsten Innovationskiller ist die Angst. Die Angst davor, ein Risiko einzugehen und möglicherweise zu scheitern. Viele sind mutig im Verändern, spüren aber auch manchmal dieses ängstliche Ziepen in der Magengegend, wenn etwas Neues ausprobiert wird. Was hilft? Eine Worst Case-Rechnung und die Überlegung: Was passiert im schlimmsten Fall, wenn ich das oder jenes tue?

Wie können wir es besser machen?

Eine produktive Fehlerkultur war in deutschen Unternehmen verpönt, obwohl es den Begriff schon lange gibt. Im Arbeitsalltag hielt er jedoch erst in den 1990er-Jahren Einzug. Damals schielten die westlichen Industriestaaten fassungslos auf den wirtschaftlichen Aufschwung Japans. Das Geheimnis des rasanten Wirtschaftswachstums: Der sensationelle Erfolg ist auf die japanische Fehlerkultur zurückzuführen. Während man bei uns rückwirkend nach Schuldigen sucht, schaut man in Japan nach vorne und stellt sich die Frage: „Wie können wir es besser machen?“ Statt den Schuldigen zu sanktionieren, arbeitet man lieber gemeinsam konstruktiv an einer Lösung. Mit der Kaizen-Philosophie änderten Unternehmen wie beispielsweise Toyota ihre Fehlerkultur.

Lösungen fallen jedoch nicht einfach vom Himmel. Sie ergeben sich aus der Analyse vorheriger Fehlentwicklungen. Der Prozess heißt „Trouble-Shooting. „Wer die häufigsten Fehlerquellen als Ursache für die bisherigen unbefriedigenden Ergebnisse erkennt, kann auch dafür Lösungen entwickeln. Das hat auch den Vorteil etwas anderes als Standardlösungen anzubieten.

Wie steht es mit der Fehlertoleranz?

Sind Fehler erlaubt, dürfen Fehler im Unternehmen gemacht werden? Dürfen Risiken eingegangen werden, sofern sie auch Entwicklungs- und Wachstumspotenziale in sich tragen? So liegt in der Verantwortung der Führungskraft, dafür zu sorgen, dass Mitarbeiter Fehler machen dürfen, sie dazu zu ermutigen und, statt zu maßregeln und daraus chancenorientiert neue Lösungen und Verbesserungen abzuleiten. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Fehler-Award, einem Preis für den dicksten Bock, der in der Abteilung geschossen wurde? Das wäre ein deutliches Zeichen, dass Fehler wichtig und willkommen sind. Denn: Eine produktive Fehlerkultur bietet Unternehmen den Schlüssel zum Erfolg und garantiert die Zukunftsfähigkeit!

Foto: Unplash Varvara Grabova

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