• Vertify_Präsentation_DLD8 Heute für die Zukunft: Vertical Farming

Von Elita Wiegand

Wie ernähren wir uns in Zukunft? Die Weltbevölkerung wächst, gleichzeitig sucht man händeringend nach Lösungen, um den Hunger von Milliarden Menschen zu stillen. Die Bodennutzung  ist begrenzt, 80 Prozent des Agrarlandes ist bereits heute ausgelastet. Wo liegt die Lösung? „Vertical Farming“, heißt das Zauberwort und in vielen Megacitys werden längst Obst, Gemüse oder Kräuter in Stadtfarmen angebaut. Das Düsseldorfer Startup Vertify ist in die Vertical Farming Fußstapfen getreten hat und ein eigenes System entwickelt.

Wir treffen uns Dmitry Permiakov, einer der Vertity Gründer. Er erzählt, was er schon alles gemacht hat, ein technischer Überflieger, der Lösungen für Probleme sucht.

Doch wie bist Du auf die Idee gekommen, ein Vertical Farming Projekt zu entwickeln?

Dmitry Permiakov: Heute ist es einfach, Wissen zu generieren, sich über das Web zu informieren und etwas Sinnvolles zu schaffen, indem man neue Technologien einsetzt. Ich bin ein kreativer Mensch und frage mich oft, wie kann ich ein Problem lösen? Nun bin ich weltweit viel gereist. In so manchen Regionen der Erde, sind die Ressourcen knapp, fehlt es an Wasser, um Getreide anzubauen oder der Boden für Ackerland ungeeignet ist. Doch wir sind ein Teil der globalen Welt, uns geht es gut, was können wir tun, damit wir auch  anderen Menschen eine Lebensgrundlage ermöglichen? Die Lösung hat sich per Zufall ergeben: Wir hatten im Team ein medizinisches Projekt umgesetzt, bei der die gesunde Ernährung eine Rolle spielte und wir hatten im Bereich IoT (Internet of Things) Sensoren entwickelt, die für eine ausgewogene Pflanzenbewässerung notwendig sind. Somit sind wir auf die Möglichkeit des Vertical Farmings gestoßen, Stadtfarmen, um Gemüse, Obst und Kräuter mit einer recht einfachen Methode lokal anzubauen.

Klingt plausibel, aber nun ist vermutlich nicht so einfach, eine Stadtfarm zu entwickeln. Wie habt Ihr die Idee umgesetzt? 

Dmitry Permiakov: Unser Stratup Vertify ist wie viele Internetgiganten in einer Garage entstanden. Bei uns war es kein Apple Computer, sondern wir haben Pflanzen beobachtet, wie sie am besten wachsen. Doch unser Obst und Gemüse ist nicht im Boden eingepflanzt, sondern wird mit LED Lampen beleuchtet und mit Nährstoffen versorgt. Nun können wir nicht wie viele holländische Stadtfarmen eine ganze Halle mieten, sondern haben unser System in einem Frachtcontainer angesiedelt, der 80 Quadratmeter groß ist. Den haben wir mit einem Bewässerungssystem, einer Belüftung und Regalen ausgestattet.

Und wo kann Vertify eingesetzt werden?

Dmitry Permiakov: Vertity eignet sich zum Beispiel für leerstehende Hallen und Häuser, Dächer oder Gebäude vor Supermärkten. Man kann die Regale aber auch übereinanderstapeln und zum Beispiel in ländlichen Regionen aufstellen, um eine Versorgung zu garantieren. Der Vorteil des Vertical Farmings besteht darin, dass die langen Transportwege wegfallen, CO2 eingespart wird und das Gemüse das ganze Jahr über frisch geerntet werden kann. Nun fragen viele, was ein solches System kostet. Der Preis liegt bei 1.000 Euro pro Quadratmeter, bei größeren Flächen werden die Preise geringer.

Die Vorteile haben sich offensichtlich noch nicht genug herumgesprochen, aber es gibt bereits viele Erfolgsmeldungen.

Dmitry Permiakov: Wir sind stolz darauf, dass wir mit dem METRO GROUP AWARD BEST INNOVATION ausgezeichnet wurden, haben mit der REWE Group Gespräche geführt und Alnatura hat uns bestätigt, dass man noch nie einen so leckeren Salat gegessen habe. Die zukunftsweisende Technologie ist anerkannt und wird gelobt, aber bislang hat sich die Branche nicht an die Umsetzung getraut. Vertical Farm Lebensmittel sind zwar nicht wesentlich teurer, aber die Importe aus Spanien oder den Niederlanden fallen derzeit noch günstiger aus. Ich wünsche mir, dass wir umdenken, unsere Gemüse und Obst nachhaltig, lokal und ohne Pestizide produzieren.