Buchtipp: Eine Welt für alle | Club of Rome 

von ZukunftsMacher Helmut Scheel

Buchtipp Für ein besseres Leben aller auf diesem Planeten

Vor 50 Jahre erschien der erste Bericht des Club of Rome. Die Grenzen zur Zukunft der Weltwirtschaft wurde als Buchform veröffentlicht und davon wurden 30 Millionen Exemplare in 30 Sprachen verkauft. Nun ist die nächste Club of Rome Studie mit dem Titel „Eine Welt für alle“ erschienen.

Ging es 1972 darum die Grenzen menschlichen Tun und Handelns zu fokussieren, steht heute das Leben für Alle im Mittelpunkt. Damals war es ein Ausblick mit negativen Vorzeichen, wenn nicht gehandelt wird, heute stehen fünf Aspekte im Vordergrund, die maßgeblich zu positiven Entwicklungen beitragen.

Die sechs Autoren nehmen fünf Bereiche mit jeweils vier Hebeln in den Blick, um sie in zwei Szenarien mit vier weiblichen Personen in ihrer Wirkung darzustellen. Diese beiden Modelle werden „To little to late“ oder „Giant Leap“ genannt.

Vier Menschen verdeutlichen  die Unterschiede

Die vier erfundenen Figuren sind alle am selben Tag im August 2020 geboren und unterscheiden sich wesentlich untereinander in ihrer sozialen Stellung und dem Herkunftsland.  Eine ist in Nigeria, die andere in Bangladesch, die dritte in Kalifornien und die vierte in China zu Welt gekommen. In fiktiven Geschichten wird deren Leben erzählt und berücksichtigt dabei den Grad der Umsetzung notwendiger Maßnahmen. Die Geschichten tragen dazu bei, Empathie zu wecken, den Wirkungsgrad nachzuvollziehen und mehr Verständnis für die jeweiligen Begebenheiten auch der Weltregionen zu fördern.

Fünf Handlungsfelder 

Für die Auswertung der zehn Weltreligionen wurden die statistischen Daten mittels eines Computermodells analysiert.  Die fünf Bereiche des Berichts umfassen Armut, Ungleichheit, Ermächtigung, Ernährung, Frauen und Energie. Man mag überrascht sein, dass ausgerechnet diese Schwerpunkte im Zentrum der Studie stehen. Mi den fünf wesentliche Handlungsfelder können große   Veränderungen erreicht werden:

– gegen die Armut im globalen Süden
– gegen grassierende Ungleichheit
– für eine regenerative und naturverträgliche Landwirtschaft
– für eine umfassende Energiewende
– und für die Gleichstellung der Frauen

Eingeschränkte Sichtweisen 

Das Buch durchleuchtet genau diese fünf Themenfelder und verdeutlicht die Wirkmächtigkeit. Und es zeigt, dass genau in diesen Bereichen unsere Wahrnehmung und Sichtweise vernebelt ist und wir uns beeinflussen lassen.  Zu gerne betrachten wir Herausforderungen aus der gewohnten Brille – und genau das wird uns zum Verhängnis, um aus lokaler Sicht die Probleme und Herausforderungen zu analysieren. Hier sehen die Autoren, durch ihre weltweite Vernetzung und globalen Analysen, eine andere situative Wirklichkeit, die sich nicht zwingend mit der oft eingeschränkten Sicht des Lesers deckt.

Die vielen Grafiken und weitere Abbildungen tragen zu einer Veranschaulichung der Ergebnisse bei. Die visuellen Darstellungen ermöglichen es rasch gewisse Zusammenhänge zu erkennen. Dadurch reduziert sich der Textteil und erhöht den Informationsgehalt der gut 250 Seiten wesentlich. Zudem sind die Bilder mit den Schlussfolgerungen zu jedem Thema als Nachschlagewerk ideal geeignet.

Ein Mangel stellt für mich ein fehlendes Literaturverzeichnis dar. Dieses versteckt sich zwar in den Anmerkungen, ist aber wenig geeignet, um nach Autoren und Titel von Veröffentlichungen zu suchen.

Anregungen für eine globale Entwicklung 

Insgesamt gibt der Bericht gute Anregungen für eine globale Entwicklung, mit der in Zukunft alle Menschen auf diesem Planeten besser leben können. Ganz dem Titel des Buches verpflichtet, zeigt es einen möglichen Weg zu einer Welt für Alle auf. Die Autoren legen Wert darauf, dass es sich nicht um ein prophetisches Werk handelt, in welchem alle Zustände in Zukunft auf Jahr und Tag genau vorhergesagt werden, sondern um Szenarien, die sich durch unterschiedliche Einflüsse auch völlig anders gestalten können. Allerdings geht es um Tendenzen, wie bereits in der Studie „Grenzen des Wachstums“ vor 50 Jahren. Die hohe Übereinstimmung der Entwicklung mit den szenischen Darstellungen des ersten Berichts hat dazu geführt, diese Computersimulation auf eine moderne Ebene zu stellen und mit neuen Parametern zu füttern. Die Komplexität dieses Earth4All-Modells wird in einer Grafik am Ende des Buches dargestellt.

Was kann man nun aus diesem Buch für sich lernen?

Es genügt nicht einzelne, anscheinend naheliegende und offensichtliche Herausforderungen anzugehen, sondern es bedarf eines systemischen und komplexen Denkens. Dieses Buch liefert in fünf Teilaspekten Lösungsansätze, die allerdings nicht als einzige Möglichkeit zu betrachten sind. Hierauf verweisen die Autoren auch auf den ersten Seiten ausdrücklich, da selbst die Wissenschaftler sich nicht en Detail einig waren. Es geht also um Modellansätze, die abgewandelt werden können, allerdings das gesetzte Ziel verfolgen sollten. Damit liefert die Lektüre Anregungen für ein selbst Weiterdenken. Es umreißt einen Rahmen von fünf Komplexen und gibt damit eine Struktur für weitere nicht behandelten Komplexe vor. Damit schafft das Buch die Verknüpfung von Nachschlagewerk bis zu Handlungs- und Denkanreiz.

Club of Rome

Der Club of Rome ist einer der bekanntesten Thinktanks der Welt. Er wurde 1968 gegründet und setzt sich für eine nachhaltige Zukunft ein. Dem Zusammenschluss von Expert*innen verschiedener Disziplinen aus mehr als 30 Ländern gehören u. a. Maja Göpel, Hans J. Schellnhuber und Ernst Ulrich von Weizsäcker an. Bekannt wurde die gemeinnützige Organisation durch den Bericht »Die Grenzen des Wachstums«, der über 30 Millionen Mal verkauft wurde.

Buchtipp

Buchtipp: Earth for all | The Club of Rome 

Earth-for-all-190x300 Für ein besseres Leben aller auf diesem Planeten

Erschienen im oekom Verlag 

Übersetzung: Barbara Steckhan, Rita Seuß

Zu bestellen – hier…