Entrance: Mensch, Roboter – Streicheleinheiten für Pepper

Julia Koch ist Geschäftsführerin der Entrance GmbH in Wuppertal. Die Firma wurde im August 2016 als Gesellschaft für Künstliche Intelligenz und Robotik gegründet. Von Wuppertal aus bedient das Unternehmen internationale Kunden im Bereich der Künstlichen Intelligenz und Robotik.

Elita Wiegand führte mit Julia Koch ein Interview.

Es verwundert ein wenig, dass ein Unternehmen für Robotik und Künstliche Intelligenz in Wuppertal angesiedelt ist. Wie kam es dazu?

Julia Koch: Im August 2016 hatte  Jörg Heynkes, Chef der Wuppertaler „VillaMedia“ die Pariser Fachmesse Innorobo besucht. Dort hat er Pepper gesehen und war sofort begeistert. Kurze Zeit später ist Pepper bei uns eingezogen und Jörg hat kurzentschlossen zusammen mit Payam Tayaran, Visual Akademie und Jörg Heintze, heintze.edv die Firma Entrance gegründet und mich als Geschäftsführerin eingestellt. Schon damals waren wir Pioniere in Sachen Robotik und KI.

Nun ist unser Firmensitz Wuppertal, einer Stadt, die von außen immer unterschätzt wird, obwohl hier viele Innovationen entstehen, es eine große Startup Szene gibt und wir viel bewegen. Doch im Vergleich zu vielen anderen Städten blieben die Wuppertaler in der Vergangenheit bescheiden im Hintergrund. Dies ändert sich zum Glück immer mehr und auch wir haben es in den zwei Jahren geschafft, in ganz Deutschland und auch über die Landesgrenzen hinaus sichtbar zu sein und unsere Stadt als Vorreiter der Digitalisierung zu platzieren.

Entrance ist vielseitig aufgestellt und hat sich auf Lösungen und das projektbezogene Zusammenführen der Kernbereiche humanoide Robotik, KI und begleitende Schlüsseltechnologien wie beispielsweise Chatbots oder Cloudservices spezialisiert. Mit welchen Herausforderungen kommen Unternehmen zu Euch?

Julia Koch: Unsere Roboter Pepper und NAO sind die beiden Herzstücke unserer Firma – und sie sind Sympathieträger. Die meisten Unternehmen kontaktieren uns, weil sie von Pepper gehört haben und sie einen Roboter einsetzen wollen. Doch viele haben keine genauen Vorstellungen, wie und wofür sie Pepper brauchen, welchen Nutzen und welche Fähigkeiten er mitbringen soll. Wir merken, dass in dem Bereich Robotik viele Wissenslücken vorhanden sind und so manch einer glaubt, dass ein Roboter alles kann, wie ein Mensch alles versteht und meint, dass Pepper wie ein Mensch handelt.

Pepper-und-NAO Entrance: Mensch, Roboter - Streicheleinheiten für Pepper

Pepper und NAO – die Entrance Sympathieträger

Wie reagiert Ihr auf die Unwissenheit?

Julia Koch: Wir müssen viel Aufklärungsarbeit leisten, um den aktuellen Stand der Technologie zu erklären. Auch beim Verständnis von Künstlicher Intelligenz hapert es und es bestehen wage Vermutungen, was sich genau hinter KI verbirgt. Das liegt wohl daran, dass sich viele Science-Fiction Filme oder Werbefilme von KI Anbietern angesehen und deshalb glauben, dass Roboter allwissend sind. Man kennt Alexa oder Siri und da wird davon ausgegangen, dass Pepper ähnlich funktioniert. Die Missverständnisse müssen wir aufklären. Deshalb bin ich viel unterwegs und halte Vorträge darüber, was Robotik in der Mensch-Maschinen-Interaktion bedeutet. Ich zeige, wie die humanoiden Roboter Pepper und NAO auch auf emotionaler Ebene mit den Menschen kommunizieren können und welches soziale Verhalten sich dahinter verbirgt.

Wo wird Pepper inzwischen eingesetzt?

Julia Koch: In den letzten zwei Jahren wurde Pepper immer häufiger als Produkt Promoter eingesetzt. Der Roboter steht aber auch am Empfang und begrüßt Kunden, ist Wegweiser, um ein Zimmer zu zeigen oder fungiert als Barista. Inzwischen ist unser Roboter besonders im Gesundheitsbereich gefragt. So wird im Januar Pepper in die ersten Pflegeeinrichtungen ausgeliefert und wir sind mit vielen weiteren im Gespräch. In einem Pflegeheim wird der Nutzen von einem humanoiden Roboter besonders deutlich. Pepper singt mit den älteren Menschen Lieder, liest ihnen etwas vor oder macht mit ihnen ein Bilderquiz. Hier geht es also darum die geistigen Fähigkeiten der Senioren zu aktivieren und es ist erstaunlich, dass ältere Menschen keine Berührungsängste haben, dem Roboter über den Kopf streicheln oder ihn sogar in den Arm nehmen. Somit übernimmt Pepper auch die Rolle des Therapieassistenten, um die Pflegekräfte zu unterstützen.

Hier die Pflegeheime, aber Pepper ist sicherlich auch bei Kids ein „Objekt der Begierde“. Was passiert im Bereich Robotik an Schulen?   

Julia Koch: In der Bildung hat Pepper als Co-Lehrer oder Co-Trainer einen großen Wirkungskreis. Zum Beispiel hat jetzt ein Unternehmen unseren Roboter für Inhouse-Schulungen eingesetzt. Wir sind aber auch an der Junior-Uni in Wuppertal und vielen anderen Schulen aktiv und erklären den Schülerinnen und Schülern, wie Robotik funktioniert, wie man programmiert oder wie man einem Roboter Bewegung beibringt. Wir sehen dies auch als Teil unserer Verantwortung, denn die benötigten Fähigkeiten der Zukunft sehen einfach ganz anders aus als noch vor 15 Jahren.

Bevor Pepper tanzt oder einen Witz erzählt, muss er programmiert werden. Wie muss man sich das vorstellen?

Julia Koch: Egal, ob es über Pepper läuft, ob ein Maschine Learning System oder eine Datenbank angebunden ist, es muss alles antrainiert werden. Wir müssen Pepper mit Wissen füttern. Dabei überlegen wir, wie Menschen fragen und wie der Roboter oder die KI darauf antwortet. Für uns bedeutet es, dass wir viel „Content“ aufbauen müssen, um Inhalte zu transportieren und wir müssen den Systemen sagen, wie sie durch Fragen und Antworten lernt.  Pepper und NAO werden über eine eigene Entwicklungsumgebung programmiert, demnächst auf Android basierend.

Das klingt nach viel Arbeit und muss berechnet werden. Was kosten Pepper oder NAO? 

Julia Koch: Für ein gutes branchenbezogenes Starterpaket sollte man inklusive Hardware bei Pepper mit circa  35.000 Euro und bei NAO mit etwa 20.000 Euro rechnen. Es hängt beim Preis auch immer davon ab, welche Funktionen die Roboter übernehmen sollen und wie viel der Kunde selber noch anpassen will. Der Kunde kann dabei zwischen verschiedenen Module auswählen, damit wir für ihn die genau passenden Lösungen zusammenstellen.

Nun verbreitet sich der Roboter-Virus immer mehr. Trotzdem fürchten viele, dass die Zukunft alles andere als rosig ist, weil wir mit Jobverlusten rechnen müssen. Wie reagierst Du auf Kritiker? 

Julia Koch: Es gibt zu jeder Zeit Branchen, die sich verändern und neu erfinden müssen. In der Frühindustrialisierung gab es schon krasse Verschiebungen von Jobs. Viele haben jetzt in Zeiten der Transformation Panik davor, dass Jobs verloren gehen, aber es entstehen auch viele neue Jobs und Herausforderungen. Von dem Arbeitsvolumen könnte ich bei Entrance zum Beispiel gerade zehn neue Mitarbeiter einstellen. Ich bin der Meinung, dass wir offen sein müssen, optimistisch, weil wir in Zukunft auch für alles Lösungen finden werden. Aber wir müssen jetzt reagieren und zum Beispiel in neue Bildungsformen und Aufklärung investieren, damit wir alle Menschen auf dem Weg mitnehmen.

Und wie siehst Du Deine Zukunft?

Julia Koch: Ich fände es super, wenn mir ein Roboter morgens Kaffee ans Bett bringen würde, das wäre ein Traum. Wichtig ist, dass wir die Angst vor Robotern verlieren. Im letzten Jahr zum Beispiel hat das Entrance Team beim „Restaurant Day“ in Wuppertal am Arrenberg mitgemacht und wir hatten natürlich auch unsere Roboter mit dabei. Wir haben Waffeln für alle gebacken und es war unglaublich schön zu sehen, wie beides harmonisch miteinander funktionierte: Hier der Roboter und da die Menschen ohne Berührungsängste. Meine Vision ist, dass Menschen und Maschinen in Zukunft gemeinsam den Alltag bestreiten.

Pepper

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Pepper ist Ehrenbürger der Stadt Wuppertal  und Ehrenmitglied im Wirtschaftsclub Düsseldorf.

Kontakt

ENTRANCE Gesellschaft für
Künstliche Intelligenz und Robotik mbH

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42117 Wuppertal | GERMANY

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