Buchtipp

Herrschaft der Dinge von Frank Trentmann  | Die Geschichte des Konsums vom 15. Jahrhundert bis heute

Rezension von ZukunftsMacher Helmut Scheel

Buchtipp Eine Zeitreise durch die Konsumwelten

Wow! Warum bezeichne ich  die „Herrschaft der Dinge“ von Frank Trentmann als ein Wow-Buch? Es ist das umfangreichste und verständlichste Werk über das Konsumverhalten der Menschen seit dem 15. Jahrhundert.

Zudem ist es das Wissenschaftsbuch des Jahres 2018 über das „The Times“ schrieb: „Ein Meisterwerk der Forschung und noch wichtiger: Ein großes Lesevergnügen.“

Unter der Lupe: Weltweiter Konsum

„Die Geschichte des Konsums vom 15. Jahrhundert bis heute“, so der Untertitel des Buches. Frank Trentmann hat eine Vielzahl von Informationen gesammelt und auf 1.100 Seiten ein Werk vollendet, an dem er sieben Jahre gearbeitet habe, so der Autor. Das Ergebnis: Er betrachtet die Konsum-Entwicklung auf dem gesamten Globus. Allein die Auswahl an Beispielen von den unterschiedlichen Kontinenten und Epochen ist eine Herausforderung für sich. So blickt er zum Beispiel auf das Interesse der Europäer für die Vasen der Ming-Dynastie, durchleuchtet den Kakao, an den sich die europäischen Gaumen zuerst gewöhnen mussten, thematisiert den Sklavenhandel oder den Einfluss der Religionen auf den Konsum.

Steigender Wohlstand der Masse

Der erste Teil des Buches folgt der historischen Entwicklung vom 15. Jahrhundert bis heute und wird im zweiten Teil in verschiedene Themenfeldern reflektiert. Erst in diesem großen  Zusammenhang und der daraus erkennbaren Komplexität wird erkennbar, wie verzahnt das eine mit dem anderen ist. Weiterhin wird sichtbar, dass viele Klischees nicht haltbar sind. So sind zum Beispiel nicht die Reichen in der Masse für den Konsum und die Massen an Produkten verantwortlich, sondern viel mehr der steigende Wohlstand der Masse. Hierzu leistete Henry Ford seinen Anteil. Der Ford Motor Company Unternehmer war nicht der Erste, der seine Mitarbeiter*innen gut bezahlte, damit sie seine Autos kaufen konnten. Auch der Krupp-Konzern finanzierte sehr früh soziale Einrichtungen für seine Mitarbeiter*innen. Je besser es den Arbeiter*innen ging, desto mehr leisteten sie sich.

Erschwinglicher Konsum per Ratenzahlung

Sehr früh konnte man Menschen an der Kleidung erkennen. Doch mit der industriellen Fertigung wurde es immer schwieriger und der Begriff „Kleider machen Leute“, der schon bei den Römern bekannt war, verlor seine Bedeutung. Kleidung ist nur ein Mosaiksteinchens des Konsums, den der Historiker beleuchtet. Im Fokus stehen beispielweise auch Kredite und Ratenzahlungen, die erheblich dazu beitrugen, dass sich auch der „kleine Mann“ größere Anschaffungen leisten konnte. Die Freizeit nimmt der Autor auch ins Visier: Die Arbeitszeiten verkürzten sich, technische Geräte im Haus sparten Zeit und so verfügte man über mehr Freizeit. Das widerum förderte den Konsum und parallel entwickelte sich der Massentourismus. Zu Beginn des Tourismus war Reisen den oberen Zehntausend vorbehalten. Doch nach und nach wurden Urlaube preiswerter und durch den zunehmenden Wohlstand wurden Reisen erschwinglich – und immer beliebter.

Konsum für jeden Lebensabschnitt

Frank Trentmann hinterfragt einen weiteren wichtigen Aspekt: Wie beeinflussen die Lebensabschnitte des Menschen das Konsumverhalten? Heute sind bereits Kinder  Teil der Konsumwelt und werden mittels Werbung gezielt angesprochen. Jugendliche haben heute so viel Geld zur freien Verfügung wie noch nie in der Menschheitsgeschichte. Kein Wunder, dass auch sie in den Blick als Käufer*innen genommen werden. Allerdings, und das wird gerne vergessen, sind auch die Senioren eine kapitalträchtiges Klientel. Deren Konsumverhalten unterscheidet sich jedoch von dem der Jüngeren. Bei dieser Konsumentengruppe stehen medizinische und Produkte zur Erholung im Vordergrund. Sie verfügen zudem über erhebliche finanzielle Mittel.

Ein weiterer Konsumförderer ist der Staat. Nicht nur über die direkten Investitionen, sondern auch über die sozialen Hilfszahlungen fördert er den Konsum. Programme für den Wohnungsbau, Hilfeleistungen für finanziell Schwache, Unterstützung für Schüler*innen und Studierende fließen letztlich wieder in den Konsumkreislauf.

Die Bereiche Ethik und fairer Handel werden in dem umfangreichen Werk ebenfalls nicht ausgelassen. Hinzu kommt die steigende Bedeutung lokaler Produkte und die Bewegungen, die daraus entstanden. Das Ganze mündet schließlich in der konsequenten Betrachtung des Konsums, inklusive Abfall und der Verbrauch der Ressourcen.

Fazit

Wer sich für das Thema des Konsums und der damit zusammenhängenden Themen interessiert, der findet in dem Buch einen hervorragenden Überblick, nicht nur über die Entwicklung, sondern auch über die Facetten der Konsumwelt. In dem Buch hat Frank Trentmann manch Überraschendes herausgearbeitet. Beim Lesen muss man konzentriert sein, da manchmal die Übergänge von der Betrachtung eines Landes und einer Epoche schnell mal zu einem oder einer anderen wechseln. Insgesamt ist es trotzdem ein leicht verständliches Werk. Es taugt zudem als Nachschlagewerk, da es ein gutes Stichwortverzeichnis gibt.

Foto: Pixabay 

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Herrschaft der Dinge | Die Geschichte des Konsums vom 15. Jahrhundert bis heute von Frank Trentmann

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