Die grüne Revolution:
Obst und Gemüse wachsen künftig in Städten

Das Unternehmen “Exner-grüne Technik” ist Dienstleister und Montagebetrieb von Gewächshaussystemen. Da sich die Märkte stark verändert haben, hat sich Exner auf die Bereiche des biologischen Anbaus wie Urban Farming oder Aquaponik spezialisiert. Doch wie sieht generell die Zukunft des Gartenbaus aus? 

Ein Interview von Elite Wiegand mit Dieter Exner, Geschäftsführer der Exner Grüne Technik GmbH

Der Gartenbau hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Sie sind Vorreiter der grünen Technik. Welche Herausforderungen mussten Sie meistern?  

Dieter Exner: Viele Gärtnereien mussten schließen, weil sie entweder keinen Nachfolger gefunden haben oder unwirtschaftlich wurden. Wir haben die Entwicklung beobachtet und uns früh genug Gedanken darüber gemacht, wie wir die Zukunft gestalten. Ich erinnere mich gut an die Zeit, als ich selbst das Pflanzenschutzmittel E605 gerührt habe, weil es damals selbstverständlich war. Doch durch den Klimawandel, unserer Bevölkerungsexplosion und der Frage, wie wir uns künftig ernähren, ist mir klar geworden, dass wir den Gartenbau ökologischer gestalten müssen. Als Gärtnermeister verspüre ich den Antrieb umzudenken, in das Urbane zu gehen und Nachhaltigkeit stärker in den Mittelpunkt unseres Handelns zu stellen. Dazu zitiere ich gerne Greenpeace: „Wir haben nur einen Planten und haben keinen zweiten im Kofferraum.“

Heißt, dass Sie den Gartenbau nachhaltiger gestalten. Wie sieht das konkret aus?

Dieter Exner: Wir haben bereits vor 20 Jahren die ersten ökologischen Töpfe aus gepresstem Chinaschilf auf den Markt gebracht. Damals hat sich jedoch keiner dafür interessiert. Das hat uns nicht davon abgehalten, im Gartenbau Vorreiter für innovative Technik zu sein und nachhaltige Methoden zu entwickeln. Die wichtigste Erkenntnis: Wir müssen uns künftig regional versorgen, um die Transportwege zu vermeiden und CO2 einzusparen. Der Klimawandel wird uns dazu zwingen, umzudenken. Es macht doch keinen Sinn, dass wir in Holland Tomaten produzieren und diese nach Berlin transportieren. Den Irrsinn müssen wir stoppen, wenn uns die Umwelt wichtig ist. Damit Menschen die Landwirtschaft verstehen und sich ein Bild davon machen, gilt, dass wir sie näher an die Natur heranbringen und die urbane Selbstversorgung fördern. Es kann doch nicht sein, dass unsere Kinder glauben, dass der Salat bei Aldi aus dem Regal kommt und lila Kühe die Milch produzieren.

Exner_grüne-Technik Die grüne Revolution: Obst und Gemüse wachsen künftig in Städten

Versuchsgewächshaus in der Kläranlage in Moers: Hier wird untersucht, mit welchen Stufen von Grauwasser, Pflanzen versorgt werden können. Weitere Infos dazu – hier 

Doch wie verändern Menschen Ihre Einstellung zu nachhaltigen Lebensmitteln?

Dieter Exner: Nachhaltigkeit entsteht dann, wenn wir Lebensmittel auch wertschätzen. Wenn ein Kopf Salat 50 Cent kostet, ist der Wert viel zu gering. Ich wünschte mir, dass wir positiver über Lebensmittel denken und habe oft die Erfahrung gemacht, dass wir den Wert mehr schätzen, wenn wir Gemüse oder Obst selbst anbauen.

Vieles spricht für die urbane Landwirtschaft, weil sie zukunftsfähig ist. Welche Projekte sind derzeit in ihrer Pipeline?

Dieter Exner: Aktuell planen wir auf 10.000 m² Dach einer Fabrikhalle in Berlin, ein Roof Farming Projekt. Zunächst hatten da viele Bedenken, dass die Lasten auf dem Dach zu schwer seien, das ist aber statisch ausgeräumt. Hier können wir demnächst zielgerichtet nachhaltig und wirtschaftlich Gemüse und Obst anbauen. Das Unternehmen plant, die Produkte in der werkseigenen Kantine zu verarbeiten. Das ist nur ein Beispiel von vielen. Der Gartenbau verändert sich und wird sich weiterentwickeln. Das zeigt auch das Beispiel einer Firma, die neu baut und ein Atrium als Blickfang plant. Auf vier Etagen sollen hier Erdbeeren, Beeren und Salat für die eigene Herstellung angebaut werden. Das ist ein innovatives Projekt und macht Sinn, weil man hier ganzjährig ernten kann. Im Bereich biologischer Anbau und Urban Farming mit dem Segment Aquaponik stellen wir uns den Herausforderungen. So sind wir inzwischen führend in der Aquaponik. Da haben wir intensiv mit Wissenschaftler zusammengearbeitet, mussten im Gartenbau vieles ändern, um den nachhaltigen Gedanken gerecht zu werden. Unser erstes Aquaponik-Projekt in Berlin wurde wissenschaftlich begleitet.

Exner_ Die grüne Revolution: Obst und Gemüse wachsen künftig in Städten

Aquaponik Projekt Müggelsee in Berlin. Weitere Infos – hier

Nun haben Sie die Stadtfarm in Oberhausen gestaltet. Was ist für Sie das Besondere?

Dieter Exner: Obwohl ich seit 40 Jahren Gärtnermeister bin, habe ich bei dem Projekt des Oberhausener Altmarktgartens viel dazu gelernt. Zum Beispiel geht es hier darum, möglichst effizient mit der Energie umzugehen und den Verbrauch zu drosseln. Wir haben die Gebäudetechnik umgestellt und die Ebbe-Flut Bewässerung angepasst. Besonders positiv finde ich, dass die Kräuter, die wir anpflanzen direkt unten auf dem Markt verkauft werden. Regionaler geht es nicht. Nachhaltigkeit in Richtung regionale Versorgung wird uns in den Jahren begleiten. Das beginnt damit, dass wir hier in Oberhausen keine Plastik-Blumentöpfe einsetzen, sondern mit Ökofasertöpfen arbeiten – und natürlich kommen hier auch keine Pestizide zum Einsatz. Stattdessen arbeiten mir mit Nützlingen und so können wir auf Pestizide komplett verzichten, weil wir ein ausgeklügeltes Nützlingssystem erarbeitet haben.

Übrigens können auch Obstbauer auf Pestizide verzichten, weil man den Einsatz beispielsweise mit Bienenhotels, Blühhecken und Hochsitzen für Greifvögel umgehen kann. Da hat sich viel geändert. Doch es gibt leider auch immer noch viele, die sich von der Agrarchemie abhängig gemacht haben. 

Stadtfarm-Oberhausen-1050x617 Die grüne Revolution: Obst und Gemüse wachsen künftig in Städten

Altmarktgarten-Oberhausen-1-1050x583 Die grüne Revolution: Obst und Gemüse wachsen künftig in Städten

Leuchtturmprojekt in Oberhausen: Der Altmarktgarten

Die urbane Landwirtschaft erfordert andere Qualifikationen. Welche Anforderungen sind gefragt? 

Dieter Exner: Die Anforderungen sind hoch, ein normaler Gärtner wäre dem urbanen Anbau nicht gewachsen. Hinzu kommt, dass viel Gärtnereien aufgegeben haben. Wir haben um Beispiel jetzt drei Gärtnereien, die lange Zeit stillstanden wieder in Betrieb genommen und anderen Zwecken zugeführt. So haben wir eine Rosengärtnerei, die leer stand zu einer Erdbeergärtnerei umgewandelt. Oder aber eine leerstehende Gärtnerei in Brandenburg produziert jetzt Bio-Kräuter und wir haben vor kurzem in der Nähe von Berlin eine alte Gärtnerei reaktiviert und dort wird jetzt chinesisches Gemüse angebaut. Das ist nachhaltig, wenn wir alte Gärtnereien nicht abreißen. Aus Castrop-Rauxel haben wir gerade eine Anfrage erhalten. Dort existiert eine alte Kohledeponie. Die Böden sind verseucht und sie müssten tief ausgebaggert werden. Wir planen jetzt darüber eine Gärtnerei, damit die Böden Zeit haben, sich zu regenerieren.

Exner Die grüne Revolution: Obst und Gemüse wachsen künftig in Städten

Bau von Bewässerungen für Weinberge

Wie wird sich in Zukunft die regionale Versorgung von Lebensmitteln in den Städten verändern?

Dieter Exner: In Zukunft werden wir viele Gärtnereien, die heute stillstehen, reaktivieren und diese für den urbanen Gartenbau erhalten. Dann werden wir viel mehr Dachflächen und alte Fabriken dazu nutzen, um Roof-Farming, also Stadtfarmen zu bauen. Urban Farming Projekte werden wir wie in Holland vorantreiben und es werden komplette Stadtfarmen mit Milchvieh usw. in Türmen entstehen. Wenn die Forschung weiter betrieben wird und sich als wirtschaftlich herausstellt, werden wir Lebensmittel in einem großen Umfang in den Städten anbauen.

In Singapur gibt es inzwischen sehr viele Vertical Farmings. Doch auch da gibt es das Problem, dass der C02 Ausstoß mit der Ernte zwar in der Waage sind, aber wir müssen dahin kommen, dass die Stadtfarmen CO2 neutral werden. Die LED-Technik muss noch ausgebaut werden, damit wir die Energieeffizienz verbessern.

Wir brauchen den Mut zur Veränderung.

Kontakt

Exner Grüne Technik GmbH
Dieter Exner

Blankenfelder Dorfstraße 94
15827 Blankenfelde-Mahlow

Fon: 0049 0 33 79 3 50 3 0

Web: www.exner-gruenetechnik.de

Mail: d.exner@exner-gruenetechnik.de