“Bei Greenwashing sehe ich rot!“

Interview mit  Manuel Schweizer: Der Gründer und CEO des Krefelder Start-ups OceanSafe spricht über den Deutschen Nachhaltigkeitspreis, 100% biologisch abbaubaren Textilien und seine begründete Abneigung gegen Recycling

Manuel Schweizer gründete das Krefelder Start-Up OceanSafe AG in 2019. Der Schweizer entwickelt seit über 20 Jahren Textilien für den Interior-Bereich. Vor sechs Jahren begann er sich, auf Textilien zu fokussieren, die Teil des biologischen Kreislaufes sind. 

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Manuel Schweizer, OceanSafe Gründer

Was war Ihre Motivation, OceanSafe zu gründen? 

Manuel Schweizer: Ich bin kein Ökoromantiker. Es geht mir nicht per se um das Grün, sondern ganz pragmatisch um die Zukunft unseres Planeten. Ich habe mich gefragt, welchen Beitrag wir in der Textilindustrie leisten können. Mit OceanSafe leiten wir nun einen globalen Paradigmenwechsel ein – in der Textilindustrie und weit darüber hinaus!“

Sie haben den deutschen Nachhaltigkeitspreis in der Kategorie „Vorreiter“ gewonnen. Für was genau haben Sie den Preis erhalten?  

Manuel Schweizer: Wir sind wahnsinnig stolz auf den Nachhaltigkeitspreis. Wir haben u.a. synthetische Textilien entwickelt, die vollständig biologisch abbaubar sind. Mittlerweile sind knapp 30 Prozent des Mikroplastiks in den Weltmeeren auf die Textilwirtschaft zurückzuführen. Genau hier setzen wir mit unseren Produkten an.

Welche Rolle werden nachhaltige synthetische Fasern aus Ihrer Sicht in Zukunft für die  globale Textilindustrie spielen?

Manuel Schweizer: Die Entscheidende! Naturfasern, insbesondere Bio-Baumwolle, können für die Mengen, die unsere Kunden in der Bekleidungsbranche nutzen, nicht skaliert werden. Synthetische Fasern aus dem Labor sind die Lösung, wenn sie sicher für den biologischen Kreislauf sind. Wir arbeiten bei unseren biologischen und synthetischen Fasern daher immer auf Basis des Cradle-to-Cradle Konzepts. 

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Was genau bedeutet das? 

Manuel Schweizer: Es geht um das simple Prinzip des biologischen Kreislaufs: Ohne toxische Inhaltsstoffe gibt es keinen schädlichen Überrest. Sämtliche OceanSafe Produkte – von Naturfasern bis hin zu synthetischen, schwerentflammbaren Fasern – sind zu 100 Prozent biologisch abbaubar und werden nach Gebrauch zum Nährstoff für kommende Generationen. Bei herkömmlichen Polyester- und Naturfasern werden heute toxische Additive eingesetzt, die insbesondere bei der Produktion und den ersten Waschvorgängen in den Wasserkreislauf gelangen. Solche giftigen Additive hat OceanSafe durch biologisch abbaubare Substitute ersetzt.  

Das klingt absolut nachvollziehbar. Wie funktioniert das in der Praxis? Werden die Textilien recycelt?

Manuel Schweizer: Bloß nicht. Der klassische Recycling Gedanke ist mir viel zu kurz gedacht. Was soll das? Mit Textilien aus Garnen, die aus recycelten PET Flaschen hergestellt werden, vergiften Sie Ihre Kunden und die Umwelt gerade wieder neu. Bei Greenwashing sehe ich rot! Zu unserem ganzheitlichen Konzept gehört die Rücknahme ausgedienter Textilien. Sie werden industriell kompostiert. Übrig bleiben Biogas und nährstoffreicher Humus, der dem biologischen Kreislauf wieder zugeführt wird.

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Könnten Sie uns einen kleinen Einblick in Ihre Unternehmensstrategie und in Ihre Zielvorstellungen geben?

Manuel Schweizer: Unser gesamtes Produktportfolio von Stoffen, Bettwäsche bis hin zur Frottierware wurde mit „Cradle to Cradle Certified™ Gold“ zertifiziert. Es ist unser Ziel, dass der ganzheitliche, biologische Kreislaufgedanke in der Textilbranche zukünftig ganz eng mit OceanSafe verbunden wird. Unsere Marke soll mittelfristig zum Qualitätssiegel in der globalen Textilindustrie entwickelt. Strategisch setzen wir auf drei Produktgruppen: Heimtextilien (zum Beispiel Vorhangstoffe, Bettwäsche, Handtücher), technische Textilien ( zum Beispiel Sonnenschutz) und Fashion. Wir lassen sowohl eigene Heimtextilien für die Direktvermarktung produzieren als auch Eigenmarken für den Handel. Gerade im Bekleidungssegment werden wir zukünftig auf Lizenzmodelle und Co-Branding setzen. So können bekannte Brands in den kommenden Jahren mit dem OceanSafe Logo vermitteln, dass sie im Sinne des biologischen Kreislaufgedankens produzieren.“

Was sind die konkreten nächsten Schritte? 

Manuel Schweizer: Wir beginnen jetzt gerade mit der großflächigen Markteinführung bei über 3.000 Fachhändlern in Deutschland – es handelt sich um eine Entwicklung mit unserem Partner im Interior-Bereich JAB Anstoetz. Für die kommenden fünf Jahre planen wir den globalen Roll-out in allen Geschäftsbereichen. Dafür gehen wir jetzt in die erste Investorenrunde.    

Über den Deutschen Nachhaltigkeitspreis

Der Deutsche Nachhaltigkeitspreis ist die nationale Auszeichnung für Spitzenleistungen im Bereich Nachhaltigkeit. Er orientiert sich an den Zielen der von der UN ausgerufenen Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung. Ferner soll er Orientierung geben, in einer Zeit, in der nachhaltiges Design gefragter ist denn je. Die Preisverleihung fand am 3. Dezember 2020 als hybrides Event im MARITIM Hotel Düsseldorf statt. Von knapp 100 Finalist/innen des Wettbewerbes wurden insgesamt 37 Unternehmen als Sieger ausgezeichnet.

OceanSafe wurde mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2020 als „Vorreiter“ ausgezeichnet. www.nachhaltigkeitspreis.de/design/sieger/

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Oceansafe GmbH

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